Der in Köln beheimatete Künstler Roland Schappert arbeitet unmittelbar mit Sprache, Übersetzungen, Kipppunkten und Bedeutungsfindungen. In Köln zeigt er zur Zeit Werke unter dem Titel “AUF EWIG IRGENDWIE” an einem ganz besonderne Ort – dem Kulturforum Herz Jesu e.V.. SUPERIOR Magazine sprach mit Roland Schappert über seine Kunst.

Roland Schappert, in vielen Ihrer Werke auf Leinwand, Metall, Spiegeln, Keramik oder Papier „spielen“ Sie mit der Sprache, verfremden Sprichworte oder zeigen Bruchstücke. Was möchten Sie bei dem Betrachter damit auslösen?

Früher empfand ich Sprache in Form von Schrift in einem Bild immer als sehr schwierig, weil der Text, die Schrift oder die Botschaft sofort vom Bild ablenken. Der Betrachter wird so zwar leicht in geistige Welten entführt, aber die Oberfläche und das Gemachte geraten dabei schnell in Vergessenheit. Das ist nicht erstrebenswert für jemanden wie mich, der an die lebendige Schönheit glaubt. Dann stellte ich fest, dass mich meine lyrischen Fragmente im Bild gar nicht auf dieselbe Weise interessieren wie ein Text im Buch, sondern gerade das Erscheinen und Verschwinden von Gedanken dem Bild Stärke verleihen. So wie ich etwas vergessen kann, sieht der Gedanke und eben das Bild beim erneuten Erinnern oder eben Hinsehen jeweils dann anders aus. In Bezug dazu sind meine Texte einer Abstraktion und Vieldeutigkeit ausgesetzt, der sich die Betrachter ebenfalls auf unterschiedliche Weise aussetzen können: FROM SAD TO GLAD – DU HASST MICH VERLASSEN – MIMST JETZT DEN WASSERMALER. Und auf der anderen Seite bleibt immer noch die Sehnsucht nach dem schillernden Eins: BETWEEN MOONLIGHT AND NEON WE WANTED TO KISS TILL ALL CONTOURS DISAPPEAR.

Es fällt auf, dass Sie sehr viele verschiedene Materialien verwenden. Welche Bedeutung hat das Medium für die Aussage Ihrer Werke?

Ich bin eine Art „Oberflächenfetischist“. Ich glaube an keinen Geist, der keine Oberfläche zeigt. Aber die Materialien und Techniken müssen zueinander passen – wie zwei Persönlichkeiten, die sich lieben. Ich habe beispielsweise jahrelang nebenbei immer wieder Zeit damit verbracht, um eine Technik zu entwickeln, mit der ich meine kleinen Keramikbilder herstellen kann, die dann den gemalten Bildern sehr ähnlich sehen – oder eben nicht, aber zumindest in Spannung miteinander und im passenden Kontrast zu anderen Werkgruppen kommunizieren. Von einem geliebten Menschen hört sich die Wahrheit doch auch ganz anders an, als wenn uns das Profane in einer Reality Show roh eingeprügelt wird, oder? Man sollte vielleicht nicht überall kommunizieren und sinnlos jedes Material verwenden, denn das berühmte „weniger“ ist immer noch oft „mehr“ – vielleicht deswegen MORE LOVE LESS LOVERS.

Ihre aktuelle Ausstellung findet in einer Kirche statt. Ist das etwas Besonderes für Sie? Hat es einen Einfluss auf die Wirkung Ihrer Arbeiten?

Was ist Glauben heute für uns, in einer Zeit des sogenannten Globalismus, wo man einander doch nicht wirklich versteht? DER LANGE KURS VOR DEM NICHTS – ROCK HER WORDS. Und wer ist „HER“? Ist Gott nicht männlich? Kennt er nur die Erde, oder war er auch schon mal jenseits der Milchstraße, oder fraß ihn ein riesiges schwarzes Loch? Ich weiß es nicht … Ich könnte auch nicht beantworten, ob Glaube ein Zeichen von Schwäche oder Stärke ist. Aber ich kann nicht allein sein, das weiß ich, und ich möchte es auch nicht. Aber brauche ich dazu ausgerechnet Gottprojektionen?

Jeder neue Raum und die Erwartung an einen bestimmten Ort wie eine Kirche verändern nicht zuletzt die konkrete Wahrnehmung und damit auch die Kunst, die sich an diesen spezifischen Orten befindet – und sei es nur für kurze Zeit.

An welchen neuen Projekten arbeiten Sie gerade?

An Glück, Zufriedenheit, Wärme, Liebe und daran, dass wir keinen falschen Versprechungen hinterherlaufen. Da kann die Kunst vielleicht ein bisschen helfen, wenn sie ehrlich ist, ihre Wunden teilt und nicht hoffnungslos heilt: ICH BIN OBDACHLOS ABER NICHT HOFFNUNGSLOS.

Und ganz konkret: Im Januar wird es eine Malereiausstellung in München geben, dann ein Projekt in Düsseldorf.

Vielen Dank für das Interview.